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Zeit hinaus wohl unbesetzt bleiben dürfte. Es scheint fast, als ob unsere jüngste, moderne Zeit überhaupt weniger dazu angethan ist, allgemein umfassende Persönlichkeiten hervorzubringen oder wenigstens sie zu so mächtiger persönlicher Bedeutung kommen zu lassen.

Leute wie LANGENBECK und dessen Schüler, VOLKMANN und BILLROTH, werden nur zu gewissen Zeiten hervorgebracht und dann eben direct durch dieselben.

Die Bedeutung BILLROTH's hervorzuheben, ist für unsere Leser wohl kaum nöthig. Ein glänzender Operateur im Stile seiner Zeit - er hat 1881 die erste Magenresection wegen Carcinom mit glücklichem Ausgange gemacht und 1873 die erste glückliche Keblkopfexstirpation – war er dabei ein vorzüglicher Arzt und hervorragender Pathologe. Von allen seinen vielen Beiträgen zur medicinischen Literatur ist zweifellos seine Allgemeine Chirurgische Pathologie, im Verein mit WINIWARTER herausgegeben, am bekanntesten geworden. Es ist heute vor Kurzem erschien die 15. Auflage — noch ein klassisches Buch und wir besitzen kaum irgend eine deutsche Allgemeine Chirurgie, die es übertreffen würde. Seine eminente Beanlagung als Lehrer muss daraus jedem, der auch nicht das Glück gehabt, ihn zu hören, klar vor Augen treten; denen es aber vergönnt war, ihn persönlich kennen zu lernen, die werden das Bild seiner fascinirenden Persönlichkeit wohl nie vergessen.

Büchertisch. Grundriss der allgemeinen klinischen Pathologie, von Prof. Dr. LUDOLF

KREHL, Leipzig. Verlag von F. C. W. Vogel, 1893.

Verfasser hat sich in diesem Buche die Aufgabe gestellt, alle Vorstellungen, welche man sich gegenwärtig über die Functionsstörungen der Organe bildet, zusammenzufassen und in präciser Form anzugeber. Es ist selbstverständlich, dass die Behandlung innerer Krankheiten je gründlicher sein wird, je mehr das Verständniss für den Ablauf der gestörten Functionen des Organismus entwickelt sein wird. Das Buch behandelt folgende Kapitel : „Der Kreislauf, das Blut, die Athmurg, die Verdauung, der Stoffwechsel, das Fieber, die Harnabsonderung, (las Nervensystem.“ Als Beispiel der klaren Darstellungsweise vorliegenden Werkes führen wir folgende sich auf Seite 174 findende Stelle über Steinbildung an:

„An der Ausbildung der Harnsteine nehmen die verschiedensten Substanzen Theil: Harnsäure, Urate, oxalsaurer Kalk, kohlensaure und phosphorsaure Erden, besonders Tripelphosphat; reine wie geTischte Steine hat man beobachtet. Wie dem auch sei, stets werden die Steinbildner von einem Gerüst aus organischer eiweissartiger Substanz zusammengehalten, nie lagern sie sich einfach an einander. Ihre Beziehungen zum Gerüst sind verschieden. Zunächst können beide ein so inniges Gemenge darstellen, dass man sie optisch nicht unterscheiden kann ; weiter können die Steinbildner radialfaserig, also zugleich in concentrischen Schalen, und schliesslich können sie regellos, wirr durch einander angeordnet sein. Damit Concremente in den Harnwegen entstehen können, müssen also zwei Bedingungen erfüllt sein: Die eiweissartige Grundsubstanz wird abgeschieden, und Steinbildner fallen aus. Ist beiden genügt, so entwickeln sich die Steine in der Regel um irgend welche Kerne abgestorbener Zellen und nekrotisches Gewebe; Mucin, alle möglichen Arten von Fremdkörpern, Bacterienhaufen, Spermatozoen können zum Mittelpunkt werden. Aber daran ist streng festzuhalten; Der Fremdkörper als solcher genügt pie zur Steinbildung; er kann'incrustirt werden, aber zur Entstehung eines Concrements führt er nur, wenn jene Bedingungen erfüllt sind.“

M. E.

Handbuch der Kriegschirurgischen Technik. Gekrönte Preisschrift von

Dr. FRIEDRICH VON ESMARCH, Professor der Chirurgie in Kiel. Vierte
Auflage, durchgehends neubearbeitet, vermehrt und verbessert
von Dr. FR. VON ESMARCH, Professor der Chirurgie in Kiel, und Dr.
E. KOWALZIG, vorm. 1. Assistent der chirurg. Klinik. Zweiter
Band : Operationslehre. Kiel und Leipzig. Verlag von Lipsius &
Fischer, 1894.

In dieser neuen Auflage dieses vielbeliebten Buches bringen die Verfasser vielfache Verbesserungen und Erweiterungen, die allerdings weit den Rahmen, der durch den Titel des Buches gegeben, überschreiten. Denn im Felde dürfte doch wohl die PHELPS'sche Klumpfussoperation oder die Achillestenotomie kaum sehr häufig nöthig werden. Das Buch hat sich eben mehr zum kurzen Examenhandbuch für Studirende und zum kurzen Nachschlagebuch für den praktischen Arzt, der eine Operation vorhat, umgewandelt.

An der von 234 auf 308 vermehrten Seitenzahl sind einestheils viele neu eingefügte Illustrationen Schuld, so besonders die sehr erwünscht kommenden topographischen Bilder bei den Unterbindungen, u. a. m. Andererseits aber auch vermehrter Text, so ist das Capitel Narkose von 7 auf 16 Seiten vermehrt u. 8. W. In letzterem findet auch bezeichnender Weise Aether seinen Platz, sowie die lokale Anästesie, ja sogar die ,,Hypnose.“

Viele Capitel sind ganz neu, so die Operation der Aneurysmen und Varicen, Behandlung der Gefässwandverletzungen, wobei SCHEDE'S Venennaht zu Ehren kommt, dann Tendinorrhaphie, Tendinoplastik, Neurorrhaphie, Thiersch Transplantation, Plastik u. 8. f., kurz, man sieht, viel Neues und Gutes.

Dabei ist das Buch handlich geblieben und erfüllt seinen Zweck in womöglich noch hervorragenderer Weise wie die früheren Ausgaben.

0. G. T. Kilia ni.

Personalien.

VERZOGEN :
DR. F. BECKER-LAURICH nach 220 W. 10. Str.

Berichtigung. Bei dem Sitzungsberichte der Deutschen Medicinischen Gesellschaft von New York der Sitzung vom 4. Dezember 1893, veröffentlicht in der Januarnummer unseres Blattes, fiel auf Seite 37 durch einen Setzerfebler folgende Zeile aus:

Dr. C. Beck stellt vor einen Fall von (Laminectomie wegen tuberculöser Spondylitis).

New Yorker Medicinische Monatsschrift.

Organ für praktische Aerzte in Amerika

herausgegeben von Dr. J. Brettauer, Dr. E. Fridenberg. Dr. F. Lange,

Dr. G. Seeligmann. Dr. A. F. Buechler, Dr. Jos. W. Gleitsmann, Dr. Willy Meyer,

Dr. A. Seibert, Dr. A. Caillé,

Dr. L. Heitzmann, Dr. C. A. von Ramdohr, Dr. R. Stein,
Dr. F. Foerster, Dr. Geo. W. Jacoby, Dr. F. Schwyzer,

Dr. G. Troje.
Redigirt von
Dr. OTTO G. T. KILIANI.

Bd. VI.

New York, 15. März 1894.

No. 3.

ORIGINALARBEITEN.

Individuelle Prophylaxe gegen Diphtherie der oberen

Luftwege.

Von Dr. AUGUST CAILLÉ, Professor der Kinderheilkunde etc., New York. Der Ausbau der Lehre von den Infectionskrankheiten ist wohl der wichtigste und bedeutendste medicinische Fortschritt unseres Jahrhunderts, and als Ergebniss der bakteriologischen Forschung ist die Prophylaxe weit eher als die Therapie das Hauptpostulat ärztlicher Wirksamkeit geworden. Die ersten praktischen Erfolge der Prophylaxe in ihrem neuen Gewande gewahren wir bei der Betrachtung accidenteller Wundkrankheiten, also bei den greifbaren und sichtbaren pathologischen Processen ; dagegen hat die Prophylaxe der ins engere medicinische Gebiet gehörigen Infectionskrankheiten bis jetzt nur einen bescheidenen Boden gewonnen. Der Grund hierfür dürfte klar sein: Die Infection einer äusserlichen, offen zu Tage liegenden Continuitätstrennung ist leicht zu verhindern; die Resorption von Infectionsstoffen durch die Digestions- und Respirationsschleimhaut ist ausserordentlich schwer zu vermeiden. Trotz alledem liegt es im Be. reich der Möglichkeit, bei allen sogenannten „Fäulnisskrankheiten“ (BRIEGER) mit Erfolg prophylaktisch zu walten, und speciell für die Erkrankung, welche den Namen „Diphtherie“ trägt, dürfte die nahe Zukunft positive Verhütungsmassregeln feststellen.

Natur des Giftes und Eingangspforte desselben.

Es ist hier nicht die Aufgabe, über die vielfachen Untersuchungen behufs Feststellung des specifischen Giftes der diphtherischen Sepsis

zu berichten. Die pathologischen Gewebs veränderungen in Folge des Eindringens des diphtherischen Giftes sind genau untersucht und beschrieben worden, und die Identificirung des specifischen Krankheitserregers ist ebenfalls gelungen. Wir wissen, dass der diphtherischen Sepsis Mikroorganismen zu Grunde liegen, deren Localisation durch catarrhalische and hyperplastische Processe an den Schleimhäuten begünstigt wird, und es ist nun durchaus plausibel, dass eine von aussen kommende Infection, welche sich mit Vorliebe an gewissen Stellen localisirt und meist sichtbar localisirt, der Prophylaxe zugänglich sein dürfte, schon desshalb, weil die Ansteckungskraft dieser Erkrankung im Vergleich zu der Contagiosität des Scharlachs and anderer Infections-Krankheiten eine mässige ist.

Die diphterische Sepsis erinnert viel mehr an das Erysipel und an die puerperale Sepsis, und da die beiden letzteren an der Hand einer intelligenten Prophylaxe mit grossem Erfolge begrenzt und bekämpft werden, so ist die Forderung eines praktischen Verfahrens gegen Diphtherie bei dem heutigen Stande der Wissenschaft durchaus berechtigt, und zwar um so mehr berechtigt, als wir eine wirksame specifische Therapie des Leidens trotz vieler Berichte über vermeintliche Erfolge zur Zeit nicht besitzen. Mag auch unsere symptomatische Therapie bei Nasen-, Rachen- und Kehlkopfdiphtherie rationell sein, die Begrenzung der Krankheit liegt nicht in unserer Macht und somit sind wir genöthigt, aus den bisherigen Erörterungen die Folgerung zu ziehen, dass der Besitz praktischer Verhütungsmethoden bei Diphtherie von grosser Bedeutung für das Gemeinwohl sein dürfte.

Prophylaxe. Das Capitel der Prophylaxe zerfällt naturgemäss in zwei Abthei. lungen:

1. Die allgemeine Prophylaxe, bezw. die Staats- oder MunicipalAufsicht.

2. Die individuelle oder persönliche Prophylaxe.

Da die Diphtherie in fast allen Städten endemisch geworden ist, so sind Quarantaine-Massregeln, wie sie durch eine centrale Regierung zur Verhinderung der Einschleppung angewendet werden, nicht Gegenstand der Besprechung. Von grosser Bedeutung ist dagegen die municipale Aufsicht, deren Wirksamkeit ich einige Worte widmen möchte. Seit Jahren hege ich die Ueberzeugung, dass die gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf Wohnung, Nahrung, Trinkwasser, Reinlichkeit, Isolirung von Diphtherie-Kranken, Desinficirung von inficirten Orten, kurzum die staatliche and municipale Ueberwachung der Diph. therie vollkommen ungenügend ist. Gestatten Sie mir, Ihnen die Verhältnisse der Stadt New York kurz zu skizziren. Die langgestreckte Insel, auf welcher die Stadt erbaut ist, ist bezüglich Drainage und Luftzufuhr in der denkbar günstigsten Lage: die Gesundheitsbehörde bemüht sich, die Gesetze in Bezug auf Hausdrainage und Ventilation durchzuführen, die Ueberfüllung der Miethskasernen zu verhüten,

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