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Land einen integrirenden Theil vom Russischen Reich bildet, so musste es für mich um so mehr das nächste sein, was für den hier vorhabenden Zweck auszuwählen war.

Beim directen Zusammenhang eines Theils polnischer Formationen mit den von Oberschlesien, und bei der Verbindung, welche die Gebirgsconstitution jenes Landes auch mit dem anstossenden Galizien hat, entsprang von selbst die Nothwendigkeit, auch beide Ländertheile für die gegenwärtige Arbeit mit in Betracht zu ziehen. Um dadurch aber nicht eine Ausdehnung erwachsen zu lassen, die hier nicht im Zweck lag, und sodann weil mir die geognostischen Verhältnisse jener Provinzen weniger als Polen, durch eigne Anschauung, und Forschung bekannt sind *), so habe ich in Beziehung auf dieselben, auch nur blos andeutungsweise verfahren.

Uebrigens berufe ich mich für die nachfolgende Darstellungen, vorzüglich was die äussere Verbreitung der Formationen betrifft, auf die geognostische Generalcharte von Pusch. Die Veränderungen und Berichtigungen, welche sowohl neuere Beobachtungen und bergmännische Aufschlüsse, als wie auch die Fortschritte der Wissenschaft überhaupt, in der Deutung und Gliederung einiger Formationen bedingen, sind nicht unberücksichtigt gelassen, und zum Theil später von Pusch selbst, so wie auch von den Herrn

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*) Meine Schrift:, über die Übergangsgebirgsformation, nebst einer Übersicht sämmtlicher Formationen von Polen und einer Aufstellung aller darin vorkommenden Mineralien. 1830.

Nachträge zu obiger Schrift, in Leonhards Jahrbuch 1833.

Zeuschner v. Carnal und Beyrich *) ausgegangen, wäh'rend, besonders in Bezug auf die Karpathen, schon vorgängig Beudant, Keferstein und Boué, wichtige Bestimmungen und Fingerzeige geliefert haben. Was mir wieder eigens angehört, wird sich aus einer Vergleichung des Inhalts gegenwärtiger Arbeit und allem dem ergeben, was in jener Hinsicht bis jetzt zur öffentlichen Kenntniss gelangt ist.

Allgemeine Bestimmung der Forma

tionssysteme.

Sandomirer, Sudetisches und Karpathisches Formationssystem. Nehmen wir nun vorerst die geognostische Generalcharte von Pusch zur Hand, so erscheint alles, was in Polen das geognostische Interesse auf eine vorzügliche Weise fesselt, in dem halben Flächenraum des grossen Bogens concentrirt, welchen die Weichsel von ihren Quellen über Krakau, Sandomierz, Neu Alexandria (vormals Pulawy) und Warschau bis Thorn beschreibt. Specieller liegt dieser Landstrich südlich von der Linie, welche sich etwa von Sieradz an der Warta bis Cieciechow an der Weichsel ziehen lässt. Was nördlich von dieser Linie, und sodann weiter ausserhalb jenes Weichselbogens, Platz nimmt, wenn man erstere bis an den polnischen Bug verlängert, besteht fast nur aus Diluvialland. In Zahlen ausgedrückt, umfasst jener Bezirk bei

*) Dessen vortrefflicher Aufsatz: Ueber die Entwickelung des Flötzgebirges in Schlesien, in Karstens Archiv Bd. 18.

nahe 600 Meilen. Das ist höchstens ungefähr der 20-ste Theil von dem Areal, was nur allein der Altrothsandstein und Bergkalk in meinem Ilm- Moskauersystem, oder auch das Permsche Kupfersandsteingebirge, in Russland einnehmen; aber gleichwohl sind in dem verhältnissmässig so kleinen Raum fast alle Formationen des geologischen Systems in der Art zusammengedrängt, dass strichweis fast jede die Oberfläche beherrscht. Namentlich geschieht dies durch die Grauwakenformation, das Steinkohlengebirge, das Todtliegende und den Zechstein, den Buntsandstein und Muschelkalk, den Jura, die Kreide und die Molassenformation.

Welche gewichtsvolle Bedeutung liegt darin nicht schon für die Vorstellungsweise, die wir uns insbesondere über Bildungsraum so wie über Verbreitung der Gesteine und deren Lagerungsverhältnisse zu machen haben. Das Interesse dafür wird aber noch beiweitem gesteigert, und die Ansichten, die ich in meiner Eingangs gedachten Schrift zu begründen gesucht habe, auf die schlagendste Weise manifestirt, wenn man sich wieder den Bezirk durch eine Linie aus Nord in Süd, ungefähr halbirt denkt. Das Terrain westlich derselben, lässt dann einzelne Formationen und Formationsglieder in dem Verbande vermissen, welcher das östliche Terrain constituirt, während umgekehrt wieder im letztern einige Bildungen vorkommen, die den erstern abgehen, und sodann, was hauptsächlich das Augenmerk in Anspruch nimmt, alle ältere Formationen selbst bis mit Einschlus des mittlern Jura, die sich in beiden Terrains im Allgemeinen paralell stehn, zeigen wieder ganz scharf markirte Unterschiede. Kaum eine Bildung lässt sich wahrhaft mit einer andern indentificiren.

Es offenbart sich hierdurch nun aber unverkennbar der Ein

schlus von zwei verschiedenartigen Bildungsräumen, und so damit auch zwei Formationsverbände, wovon ich den östlichen das Sandomierer und den westlichen das Sudetische Formationssystem nennen will.

Wird die Weichsel von Krakau in der Richtung gegen die Karpathen überschritten, so ist schon in der Parallele von Wieliczka wieder alles ganz anders als wie in Polen gestaltet. Dasselbe hat in Centralkarpathen Statt; denn an die hier steil erhobenen plutonischen Urgesteine, legen sich fast direct, gleich steil aufgerichtete Juragesteine an, denen im Allgemeinen wieder herwärts als wie hinwärts nach Ungarn, Kreide und Molassenschichten folgen. Von allen ältern Sedimenten ist nicht nur "keine Spur, sondern die zuvor genannten Bildungen zeigen auch theils andere Glieder, theils einen Character, der denselben Formationen in Polen so schroff gegenübersteht, dass dies wohl auch mit als eine Ursache zu den vielfältigen Missdeutungen der karpatischen Sedimente angesehen werden kann. Kurz, die Weichselniederung bezeichnet zum Theil noch gegenwärtig einen Strich, worin vormals eine Scheidewand innerhalb des grossen Bildungsraums bestehen musste, an der sich diesseits theils andere theils dieselben Formationen, aber stark modificirt als wie jenseits, abgelagert haben. Der Verband der karpatischen Formationen wird sich daher am passendsten das Karpatische Sysle m nennen lassen.

Auf die dargelegte Weise, würden wir es so im Ganzen in dem Länderstrich, der das Königreich Polen, die Freistadt Kra

kau, den östlichen Theil von Oberschlesien und etwa die Nordkarpathen mit den daranliegenden Theilen von Galizien und Ungarn begreift, hauptsächlich mit drei Formationssystemen zu thun haben. Was noch etwa davon abzuscheiden, oder zuzusetzen sein dürfte, wird sich am zweckmässigsten im weitern Verlauf der Betrachtung bewirken lassen.

Specielle Entwickelung der Formati

onssysteme.

Sandomierer System. — Dieses System umfasst in geographischer Beziehung das sogenannte polnische Mittelgebirge, und so in geognostischer Hinsicht alle die Formationsvorkömmnisse, welche sowohl den eigentlichen Stock desselben, als auch dessen Abhänge bilden. Den wahren Mittelpunkt und zugleich das wahre Bestimmende fürs Ganze, giebt die Grauwakenformation ab; ihr folgen das Todtliegende und der Zechstein, hierauf der Buntsandstein und Muschelkalk, weiter der Jura, und zuletzt die Kreide und die Molassenschichten. Davon greifen zwar im Einzelnen einige dieser Bildungen ins Grauwakegebiet über, aber im Allgemeinen bilden sie dessen Einsäumung, und entfernen sich davon im Verhältniss ihres relativen Alters, so dass Kreide und Tertiärstraten im grössern Abstand vom Centrum des Gebirgs, und im flachen Lande zur Hauptentwickelung kommen.

Für das Ganze lässt sich also wohl annehmen, dass die angegebene Reihenfolge die Ordnung ist, in welcher die bethei

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