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der

specifischen Heilkunst

von

Dr. Gottlieb Ludwig Rau,
Grossherzoglich Hessischem Hofrathe und Physicus zu Giessen,

mehrerer gelehrter Gesellschaften Mitgliede.

Non qua itur, sed qua eundum est.

Leipzig,
Verlag von Ludw i 8

Schum a n n.
1838.

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Weder Systemsucht, noch Parteigeist, sondern die warme, lebendige Ueberzeugung von dem hohen Werthe der specifischen Heilmethode hat mich seit beinahe siebenzehn Jahren bestimmt, für die Bearbeitung derselben thätig zu seyn. Als ich mich nach einer zwei und zwanzigjährigen Praxis mit den Anleitungen dazu näher bekannt machte, liess schon die Grundlage dieser, damals noch sehr unvollkommenen Doctrin mich ahnen, dass sie aus der isolirten empirischen Stellung heraustreten, und einen höheren Rang neben anderen Lehrgebäuden der Heilwissenschaft einnehmen werde. Das Pflichtgefühl der Dankbarkeit gegen Samuel Hahnemann, den Gründer dieser Lehre, konnte mich aber nicht hindern, die Unvollkommenheiten derselben wahrzunehmen; und nachdem ich die Wichtigkeit des specifischen Heilprin

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cips immer vollständiger erkannt hatte, war es mir eine eben so heilige Pflicht, diesem Zweige der Wissenschaft meine Kräfte zu widmen. Dieser Ueberzeugung folgend, konnte mich aber auch nichts mehr davon zurück halten, weder die von einigen gedankenlosen Parteigängern an den Tag gelegte Verachtung einer höheren wissenschaftlichen Tendenz, noch die inurbane Sprache, welche von verschiedenen blinden Verfechtern des alten Dogmatismus geführt worden ist, um die auftauchende junge Lehre muthwillig und frech zu zertreten, und den Verehrern derselben, wie es von einigen Schriftstellern und besonders von den Mitarbeitern einigen gelehrter Zeitschriften geschehen ist, Namen beizulegen, deren Wiederholung das sittliche Gefühl beleidigen würde. Wenn ich mir die Befugniss zu einem Urtheile über den hier bearbeiteten Gegenstand anmaasse, so glaube ich, die Rechtfertigung in dem, von jeher gezeigten Bestreben finden zu dürfen, mich durch möglichste Kenntnissnahme von allen Fortschritten unserer Wissenschaft vor Einseitigkeit zu bewahren. Auf dem Wege des Studiums, den ich mir vorgezeichnet hatte, sind tüchtige und hochgeachtete Männer mir voran gegangen; andere haben mir zur Seite gestanden. Aber meine Hoffnung, dass ein an Erfahrung und Gelehrsamkeit mich überragender Mitarbeiter die bisherigen Vorarbeiten zur systemati

schen Construction einer geläuterten Therapie benutzen werde, ist bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen. Das Bedürfniss einer solchen Zusammenstellung ist übrigens lebhaft gefühlt worden, und ich glaubte, dass es hohe Zeit sey, demselben abzuhelfen, sowohl um angehenden Praktikern eine Anleitung zum gründlicheren Studium zu verschaffen, als um den leidenschaftlichen Gegnern der specifischen Heilkunst die Vorzüge gefundenner Principien vor erfundenen anschaulich zu machen, und um gewisser Maassen Rechenschaft abzulegen über das, was überhaupt bisher zur Vervollkommnung dieser Doctrin geleistet worden ist. So entstand diese Schrift. Wenn dafür nach dem Beispiele Hahnemanns der Titel Organon gleichfalls gewählt wurde, so wird mir wohl Niemand die scheinbare Anmaassung zum Vorwurfe machen, als ob ich geglaubt habe, hiermit eine Doctrin abschliessen zu wollen, die der weiteren Ausbildung fort und fort fähig ist. Nur zu sehr muss ich vermuthen, ja sogar wünschen und hoffen, dass eine noch freiere Entwickelung des menschlichen Geistes bei fortgesetzteren Erfahrungen Vieles anders gestalten werde; aber ich bin auch überzeugt, dass redlichem Forschen die Berechtigung gebühre, das, was nach Jahre langer, sorgfältiger Prüfung als wahr und richtig erkannt worden ist, als eigenes Glaubensbekenntniss zu

zu V

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