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Ein Beitrag zur ichthyologischen Fauna der Inseln

des Grünen Vorgebirges.

Von
Troschel.
(Hierzu Taf. V.)

Herr Dr. Stübel in Dresden hat eine Sammlung von Fischen auf den Cap Verdischen Inseln zusammengebracht, und mir nicht nur dieselben zur Bearbeitung anvertraut, sondern mir vollkommen die Disposition über dieselbe überlassen, als ich den Wunsch äusserte, sie für das Bonner naturhistorische Museum zu erwerben. Ich sage ibm hiermit für das werthvolle Geschenk öffentlich meinen Dank, und erfülle zugleich eine Pflicht gegen das wissenschaftliche Publicum, weil dadurch bekannt wird, an welchem Orte das Material zu den folgenden Bemerkungen aufbewahrt wird und für etwaige Vergleichungen zu finden ist.

Die Sammlung enthält nur 42 Species, die sämnatlich marine Formen sind. Wenngleich sie auch nicht annähernd einen Anspruch auf Vollständigkeit machen darf, so liefert sie doch einen nicht unwichtigen Beitrag zu der verhältnissmässig noch wenig bekannten ichthyologischen Fauna der Inseln des Grünen Vorgebirges.

Als bei diesen Inseln selbst vorkommend sind bis jetzt überhaupt nur wenige Arten verzeichnet worden, nämlich bei Cuvier und Valenciennes in der Histoire naturelle des poissons 11 Arten: Serranus taeniops, Rypticus saponaceus, Holocentrum hastatum, Sphyraena viridensis, Upencus prayensis, Pristipoma viridense, Glyphisodon saxatilis, Pelamys sarda, Trachinotus teraia, Trachinotus myrias und Caranx Jacobaeus; - ausserdem in Günther's Catalogue of the fishes of the British Museum: Apsilus fuscus, Serranus goreensis, Pristipoma suillum, Pristipoma octolineatum, Smaris melanurus, Box goreensis, Ephippus goreensis, Salarias vomerinus, Cossyphus scrofa — also zusammen 20 Arten. Von diesen ist etwa der dritte Theil auch von Dr. Stübel gesammelt worden.

Bei der grossen Nähe des Festlandes von Africa am Grünen Vorgebirge, unter gleicher geographischer Breite, darf es nicht auffallen, dass nicht wenige Arten auch an den Cap Verdischen Inseln gefunden wurden, die man von dem Grünen Vorgebirge und einem in seiner Nähe gelegenen Küstenplatze Gorée kannte, der für die Fischsammlung des Jardin des plantes Material geliefert hatte. Ja es ist nicht unwahrscheinlich dass die allermeisten Fische sich von dieser Küste des Afrikanischen Festlandes bis zu den nahe gelegenen Inseln verbreiten und dass sie somit eine gemeinsame Fischfauna ernähren. A. Dumeril hat ein Verzeichniss der Fische des westlichen Africa im X. Bande der Archives du Muséum d'histoire naturelle p. 261 zusammengestellt, unter denen die von Gorée einen grossen Bruchtheil bilden.

Ein viel grösseres Interesse bietet die l'rage, wie weit sich die Fische des Grünen Vorgebirges und seiner Inseln nach Norden und nach Süden ausbreiten, und wie viele von ihnen den atlantischen Ocean bis zu den Amerikanischen Küsten durchsetzen. Es wäre überhaupt eine belohnende Arbeit, eine Zusammenstellung der geographischen Verbreitung aller Fische des atlantischen Oceans vom Vorgebirge der guten Hoffnung und vom Cap Horn bis hinauf zu dem Nördlichen Eism'eere zu machen. Für unseren gegenwärtigen Zweck wird es genügen, die Cap Verdischen Fische mit denen der Canarischen Inseln und von Guinea zu vergleichen, um zu entscheiden, ob die Fauna mehr Uebereinstimmung mit dem Norden, mit dem Süden oder mit dem Westen (Amerika) hat.

Die Fische der Küste von Guinea hat Bleeker zusammengestellt „Mémoire sur les Poissons de la Côte de Guinée. Harlem 1862. Sein Verzeichniss enthält 90

Arten, welches sich jedoch noch um mehr als ein Dutzend vermindert, wenn man die Süsswasserfische davon abzieht. Folgende Arten aus diesem Verzeichnisse bat auch Dr. Stübel gesammelt: Holocentrum hastatum, Vomer Brownii, Lichia glaucos, Trachinotus goreensis, Hemiramphus Brownii, Thyrsoidea maculipinnis, – zusammen sechs Arten, die sich also über den Aequator hinaus nach Süden verbreiten. Ich habe hierbei Mesoprion griseus und Galeoides polydactylus Gthr. nicht mitgezählt, die gleichfalls in dem Bleek er'schen Verzeichnisse stehen; Mesoprion griseus nicht, weil Bleeker als seinen Fundort ausdrücklich Fernando Po angiebt, welches noch nördlich vom A equator liegt; Galeoides polydactylus nicht, weil es mir zweifelhaft ist, ob wirklich Polynemus dekadactylus und enneadactylus Cuv. Val. specifisch identisch sind, ob nicht vielmehr dekadactylus südlich, enneadactylus nördlich vom Aequator lebend, als zwei gute Arten unterschieden zu werden verdienen. — Flecht auffallend ist es mir, dass im Meerbusen von Guinea kein einziger Sparoid vorkommen soll, da doch die ganze nördliche Küste des atlantischen Oceans bis herab zu dem Grünen Vorgebirge gut vertreten ist, und auch in den Gewässern des Vorgebirges der guten Hoffnung wieder eine Anzahl, freilich anderer Arten, lebt. Wenn sich die Thatsache bestätigt, so würde am Aequator eine für die Mitglieder dieser Familie unzugängliche Zone liegen, auf deren nördlicher wie südlicher Grenze Arten derselben Familie leben.

Ueber die Fische der Canarischen Inseln hat bekanntlich Valenciennes in Webb und Berthelot's Histoire naturelle des Iles Canaries Paris 1844 geschrieben. Von den von ihm verzeichneten Fischen finden sich in der Stü bel'schen Sammlung folgende Arten: Pristipoma Bennettii, Scorpaena scrofa, Lichia glaucos, Hemiramphus Brownii und Monacanthus filamentosus, zusammen fünf, also noch eine weniger als vorhin nach Süden sich verbreitend genannt werden konnten. Zu bemerken ist dabei, dass unter diesen Arten zwei sich wiederholen, nämlich Lichia glaucos und Hemirhamphus Brownii, die also eine weitere Ausbreitung nach Norden und nach Süden neh

men, und daher bei einer Vergleichung der Faunen wenig Gewicht haben. – Hinzuzufügen sind jedoch noch Sphyraena vulgaris, Priacanthus macrophthalmus, Dactylopterus volitans, Charax puntazzo, Atherina presbyter, Blennius sanguinolentus, Muraena helena, deren weiter nördliches Vorkommen allgemein bekannt ist.

Von Arten die auch an den Amerikanischen Küsten vorkommen, lassen sich nennen: Mesoprion griseus, Priacanthus macrophthalmus, Mugil brasiliensis, Caranx punctatus, Trachinotus goreensis, Vomer Brownii, Lichia glaucos, Acanthurus phlebotomus, Glyphisodon saxatilis, Belone bians, Hemiramphus Brownii, zusammen 11 Arten. Von ihnen sind schon drei bei denen von Guinea genannt: Vomer Brownii, Lichia glaucos und Hemiramphus Brownii, Priacanthus macrophthalmus steigt der afrikanischen Küste entlang nach Norden auf.

Eine Art, Belone trachura kommt auch bei der Insel Ascension vor.

Die Fauna, des Grünen Vorgebirges lässt sich vielleicht am einfachsten so auffassen, als wenn sie bauptsächlich einen eigenthümlichen Stamm besässe, in welchen sich aber dreierlei Gäste mischten: vom Norden, vom Westen und vom Süden. Ausserdem erscheinen noch einige sehr weit verbreitete Arten, die ihr Bürgerrecht auf einen grösseren Theil des atlantischen Oceans ausdehnen.

Obgleich ich auf die Zahlen, welche aus unserer kleinen Sammlung hervorgehen, da sie unzweifelhaft nur einen kleinen Theil der Cap Verdischen Fische enthält, nur einen sehr geringen Werth legen kann, so mag ich doch bei der geringen Kenntniss, die man von den Fischen der Afrikanischen Westküste hat, wie schon Bleeker l. c. sehr richtig bemerkt, meine Betrachtungen nicht auf die Arten ausdehnen, die in den Verzeichnissen figuriren. Theils sind auch sie viel zu unvollständig, um daraus richtige Zahlenverhältnisse abzuleiten, theils handelt es sich oft um Namen, deren Bedeutung Zweifel übrig lässt. Ich will mich also begnügen unsere 42 Arten nach den vier oben genannten Kategorien zusammenzustellen. Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd.

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1. Weit verbreitete Arten: Priacanthus macrophthalmus, Dactylopterus volitans, Vomer Brownii, Lichia glaucos und Hemiramphus Brownii - 5 Arten.

2. Gäste vom Norden: Pristipoma Bennettii, Sphyraena vulgaris, Scorpaena scrofa, Charax puntazzo, Atherina presbyter, Blennius sanguinolentus, Muraena helena und Monacanthus filamentosus – 8 Arten. .

3. Gäste vom Westen: Serranus taeniops, Mesoprion griseus, Mugil brasiliensis, Caranx punctatus, Acanthurus phlebotomus, Glyphisodon saxatilis, Belone hians, Belone trachura - 8 Arten. . i 4. Gäste vom Süden: Holocentrum hastatum, Trachinotus goreensis und Thyrsoidea maculipinnis – 3 Arten.

5. Eigenthümliche Cap Verdische Arten: Serranus goreensis, Myripristis viridensis, Genyatremus latifrons, Genyatremus angustifrons, Galeoides enneadactylus, Scorpaena laevis, Sarg'us fasciatus, Pagellus goreensis, Dentex multidens, Lethrinus atlanticus, Box goreensis, - Upeneus prayensis, Girella Stübeli, Mugil nigrostrigatus, Mugil pulchellus, Cossyphus jagonensis, Onychognathus cautus, Rhinobatus cemiculus — 18 Arten.

Um einem etwaigen Missverständnisse vorzubeugen will ich hinzufügen, dass ich dem Ausdruck Gäste nicht gerade ausdrücklich die Bedeutung beilegen will, dass diese Fische eigentlich anderwärts zu Hause gehören und nur ausnahmsweise, etwa zum Besuche, nach dem Grünen Vorgebirge gelangten. Ich habe das Wort Gäste gewählt, da wenigstens die Thatsache vorzuliegen scheint, dass sie am Grünen Vorgebirge ihre Grenze erreichen, die nicht wesentlich überschritten wird, während sic nach den anderen Richtungen, nach Norden, Westen oder Süden mehr oder weniger weit sich erstrecken. Es ist aber nicht anzunehmen, dass ihre ursprüngliche Heimath gerade an der Grenze ihrer Verbreitung liegen werde. Andererseits ist nicht zu leugnen, dass die Gäste des Westens ebensogut durch den Amerikanischen Continent ihre Grenze finden mussten, wenn sie etwa von der Afrikanischen Küste ausgingen, und dass die Gäste des Nordens, wie die des Südens nach Norden oder nach Süden

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