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Rondsen zeigen. Das Provinzial-Museum enthält auch glänzende Ueherreste aus der Zeit des Handels mit den römischen Provinzen, das ist vom 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus. Mit dem Ende des 4. Jahrhunderts versiegen die Funde. Zur Zeit der Völkerwanderung scheint die ganze alte Bevölkerung ausgewandelt zu sein. Vereinzelte oströmische Münzen reichen bis zum Jahre C41. Im 5. Jahrhundert entwickelt sich ein Verkehr mit den Arabern, welche ihren Handel vom Kaspischen Meere die Wolga hinauf bis in die Gegend des heutigen Kasan ausdehnten, um dort mit den Warägern oder den Normannen ihre Waaren gegen die Producte des Nordens auszutauschen. Diese Zeit ist durch schöne Funde in unserer Provinz vertreten. Der Handel mit dem Orient wird dann am Ende des 10. Jahrhunderts allmählich von dem mit den deutschen Reichsstädten, mit England und Dänemark abgelöst, wie man aus Münzfunden schliessen kann. Dieser Zeit gehören die slavischeu Reihengräber mit den Schläfenringen und die vielen Burgwälle an. Mit dem Anfange unseres Jahrtausends beginnt die historische Forschung mit ihren geschriebenen Quellen.

Herr Professor Ranke beginnt seinen wissenschaftlichen Jahresbericht mit dem Ausdruck des tiefen Schmerzes über das Hinscheiden von Schliemann und Tischler. Er giebt sodann eine Uebersicht über die wissenschaftlichen Arbeiten des letzten Jahres, die er eintheilt in Beiträge zur prähistorischen Archäologie, zur Kenntniss der älteren Metallperioden, der römischen Periode Deutschlands, der Periode der Völkerwanderung, zur Volks- und Landeskunde, zur Ethnologie, Kraniologie, Entwickelungsgeschichte, Zoologie und prähistorischen Botanik. Auf allen Gebieten herrscht eine kaum übersehbare Thätigkeit.

Herr Weissmann erstattet den Rechenschaftsbericht. Die Zahl der Mitglieder betrug 1739, die Einnahmen 15 294.46 Mk., die Ausgaben 14 529.88, Bestand der Kasse ist 764.58 Mk.

In der zweiten Sitzung am 4. August macht Dr. Lissauer Mittheilung eines Briefes des Herrn Förstermann, worin dieser zu Grabungen auf der vor der Weichselmündung liegenden Halbinsel Heia auffordert, deren Name ihm mit der heidnisch-germanischen Bestattung der Todten auf Inseln zusammenzuhängen scheint. Virchow ladet zu dem am 1.—6. October 1892 in Spanien tagenden internationalen Amerikanisten-Congresse ein. welches Land wegen der 400jährigen Jubelfeier der Entdeckung Amerikas gewählt worden sei, auch legt er Einladungen zur Naturforscherversammlung in Halle, sowie zu dem vom 13.—-20. Aucust 1892 in Moskau stattfindenden internationalen

Jentzsch einen Ueberblick über die Geologie Westpreussens gegeben, spricht Montelius über die Chronologie der jüngeren Steinzeit in Skandinavien. Schon 1874 erklärte er die freistehenden Dolmen ohne Gang für die ältesten Grabdenkmale der Steinzeit, jünger seien die Ganggräber, noch jünger die Steinkisten, die noch in den Hügeln der ältesten Bronzezeit vorkommen. Da die Dolmen schon Alterthümer von speciell skandinavischem Typus enthalten, können sie nicht in den Anfang der Steinzeit gesetzt werden. Ihnen entsprechen die Feuersteinäxte mit spitz ovalem Querschnitt; die Aexte mit Schmalseiten sind jünger. Auch liegen in den ältesten Dolmen Bernsteinperlen von jüngeren Formen. Erst später werden die Kisten mit Erde bedeckt. Gleichzeitig sind unterirdische Gräber ohne Kisten. Die skandinavischen Gräberforraen kommen auch im westlichen Europa vor. Skandinavische Thongefässe mit Zickzacklinien verziert und Rhomben, die sich mit den Spitzen berühren und abwechselnd glatt und mit Strichen geziert sind, kommen auch in Südeuropa, ja auf Cypern vor. Es muss ein Verkehr stattgefunden haben. Auch die becherförmigen mit horizontalen Ornamentstreifen versehenen Thongefässe sind in allen europäischen Ländern von Sicilien bis England und Ungarn zu finden. In Skandinavien und Norddeutschland kommen sie in Gräbern der letzten Periode der Steinzeit vor. Schwedische und dänische Kupferäxte von 99 °/0 Kupfer stimmen mit den ungarischen ganz überein. Montelius glaubt, dass die hohe Cultur der Steinzeit in Skandinavien wie die der Bronzezeit nur durch den Einfluss der Culturländer des Mittelmeers zu erklären sei. Montelius glaubt, dass der Bernsteinschmuck sich in späteren Gräbern deshalb vermindert, weil man früher den Werth desselben nicht erkannt habe. Kleinschmidt meint, dass man den Todten früher deshalb mehr Beigaben ins Grab gelegt habe, weil das Erbrecht noch nicht entwickelt war und der Begriff des Familieneigenthums sich erst später ausgebildet habe. Virchow macht auf andere Beobachtungen aufmerksam, die auf einen Verkehr in der Steinzeit deuteten. In einem megalithischen Grabe auf dem linken Weichselufer wurde ein ornamentirtes Falzbein aus Knochen gefunden, das mit denen zweier Schweizer Höhlen genau übereinstimmt. Virchow macht in Bezug auf die Thongefässe die Bemerkung, dass es Orte gebe, wo sich gewisse Muster der Verzierung durch Jahrhunderte big in unsere Zeit erhalten haben; die neolithischen Gefässe mit erhabenen Leisten, die mit Fingereindrücken besetzt sind, kommen schon in einer älteren Periode vor. Im Orient, hat sich das Im Kaukasus und in Aegypten sind noch gegenwärtig Dinge im Gebrauch, die an Fundstücke unserer alten Gräber erinnern. Aus der gleichen Form kann man nicht mit Sicherheit die Gleichzeitigkeit der Herstellung folgern. Flinders Petrie hat gezeigt, dass die gemuschelten Feuersteingeräthe unserer neolithischen Zeit der ganzen ägyptischen Cultur angehören und noch in Gräbern der 20. Dynastie gefunden werden. Vielleicht, sind sie in späthistorischer Zeit hier noch gefertigt worden. Herr Helm berichtet über die Analyse westpreussischer Bronzen und ihren Antimongehalt. Diesen sieht er nicht als eine zufällige Beimischung an. Er fand darin 0,82 bis 3,87 °/o Antimon. Einige der von ihm untersuchten Bronzen waren ein Gemisch von 6 — 8 Metallen. Er glaubt, dass man bei Beginn der Bronzezeit mit allen möglichen Zusätzen zu Kupfererzen experimentirte, um die leichter schmelzbare und goldig glänzende Bronze zu erhalten. Virchow bemerkt dazu, dass Antimon und Kupfer in der Natur nicht in der Mischung vorkommen, die in einigen Bronzen der alten Zeit nachgewiesen sei. Der Berichterstatter erinnert daran, dass die nach der Zusammensetzung alter Bronzen gefeitigte Stahlbronze des Freiherrn v. Uchatius aus 89,5 °/o K., 5,9 Z., 2,6 Antimon und 2,1 Nickel besteht (Anthiop. V. in Constanz 1877, S. 153).

(Schluss folgt.)

Naturwissenschaftliche Wanderversammlungen.

Der IV. internationale Congress der Gesellschaften vom „Rothen Kreuz" wird am 21. April in Rom eröffnet werden.

Die französische Gesellschaft für Dermatologie und Syphilis wird ihre nächste Jahresversammlung am 21. —23. April in Paris abhalten.

Die französische Gesellschaft für Ophthalmologie wird am 2. Mai 1892 in Paris tagen.

Der schweizerische Aerztetag findet am 28. Mai in Genf statt.

Die XVII. Wander Versammlung der süd westdeutschen Neurologen und Irrenärzte wird am 28. und 29. Mai in Baden-Baden abgehalten werden.

Am 7.—14. August wird in Brüssel der internationale Congress für Kriminal-Anthropologie tagen.

Der IV. internationale Congress gegen den Missbrauch alkoholischer Getränke wird am 8. September 1892 im Haag stattfinden.

Die 18. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege wird vom 8.—11. September 1892, unmittelbar vor der am 12. September beginnenden Naturforscherversammlung, in Würzburg

Die 5. Abhandlung von Band 57 der Nova Acta:

Hans Pohlig: Dentition und Kranologie des FJephas antiquM Falc. mit Beiträgen über Elephas primi(jenim Blum, und Elephax meridionalis Nesti. Zweiter Abschnitt. 25Bogen Text mit 7 Doppeltafeln und 47 in den Text eingedruckten Zinkographieen. (Preis 20 Rmk.) ist erschienen und durch die Buchhandlung von Wilh. Engelmann in Leipzig zu beziehen.

IV. Liste von Bücherspenden für die Universitätsbibliothek von Toronto.

(Auf Wunsch mitgetheilt. >

Spende Sr. Majestät des Deutschen

Kaisers, Königs Von Preussen, ca. 500 Bde.

A. Sammelstelle des Herrn F. A. Brock

haus in Leipzig, Berlin und Wien.

G. J. Göschen, Stuttgart 2 Bde.

Verein für Erdkunde, Leipzig . . . . 21 n

Realschule, Kassel 32

Prof. Dr. Wilhelm Joest, Berlin .... 3 „ Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft, Münster i. W 16 ,

Prof. Dr. Rudolf Blasius, Braunschweig . 83 „ Verein für öffentliche Gesundheitspflege im

Herzogthum Braunschweig, Braunschweig 6 „ Verein für Naturwissenschaft, Braunschweig.

II. Sendung 1 „

Oberlehrer Dr. Petzold, Braunschweig . . 1

Frau Julia Salis Schwabe, London ... 3 „

Akademie der Wissenschaften Krakau . . 2 „

Physikalischer Verein, Frankfurt a. M. . 38 „

John Landauer, Braunschweig. III. Sendung 6 „

214 Bde.

B. Sammelstelle der Herren R. Friedländer & Sohn, Berlin.

Deutsche Chemische Gesellschaft, Berlin . 36 Bde. Physikalisch -Oekonomische Gesellschaft,

Königsberg 24 „

60 Bde.

Zusammen 774 Bde.

Uebertrag von Liste III. 7201 „

Im Ganzen 7975 Bde.

Namens des deutschen Comites
J. Landauer (Braunschweiit).

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LEOPOLDINA

AMTLICHES ORGAN
DER

KAISERLICHEN LEOPOLDINO-CAROLIN ISCHEN DEUTSCHEN AKADEMIE

DER NATURFORSCHER

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER SEKTIÜNSVORSTÄNDE VON DEM PRÄSIDENTEN

Dr. C. H. Knoblauch. Halle a. S. (p.rad.Pu„ K,.7.> Heft XXYIII. — Nr. 9—10. Mai 1892.

Inhalt: Amtliche Mittheilungen: Wahl eines Vorstandsmitgliedes der Fachsektion (3) für Chemie. — Veränderungen im Personaluestande der Akademie. — Beiträge zur Kasse der Akademie. — Ferdinand v. Krauss. Nekrolog. — Sonstige Mittheilungen: Eingegangene Schriften. — II. Schaaffhausen: Die XXII. allgemeine Versammlung der deutschen Anthropologischen Gesellschaft zu Danzig vom 3. bis 5. August 1891. (Sehluss.) — Preisausschreiben. — Die 3. Abhandlung von Band 58 der Nova Acta. — v. Reinach-Stiftung.

Amtliche Mittheilungeii.

Wahl eines Vorstandsmitgliedes der Fachsektion (3) für Chemie.

Durch den Tod des Herrn Geheimen Regierungsraths Professor Dr. A. W. v. Hofmann in Berlin ist in der Fachsektion für Chemie die Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes nothwendig geworden. Ich ersuche alle dieser Fachsektion angehörigen stimmberechtigten Mitglieder ergebenst, Vorschläge zur Wahl des betreffenden Vorstandsmitgliedes bis 10. Juli 1892 an das Präsidium gelangen zu lassen, worauf die Zusendung von Stimmzetteln erfolgen wird.

Halle a. S. (Paradeplatz Nr. 7), den 31. Mai 1892. Dr. H. Knoblauch.

Veränderungen im Personalbestande der Akademie.
Gestorbene Mitglieder:

Am 2. Mai 1892 zu Buenos Ayres: Herr Dr. Carl Hermann Conrad Burmeister, Director des Museums in

Buenos Ayres. Aufgenommen den 3. August 1833; cogn. Baker II. Am 4. Mai 1892 zu Stettin: Herr Dr. Carl August Dohm, Präsident des Entomologischen Vereins in

Stettin. Aufgenommen den 16. Februar 1882. Am 5. Mai 1892 zu Berlin: Herr Geheimer Regierungsrath Dr. August Wilhelm v. Hofmann, Professor

der Chemie und Director des chemischen Laboratoriums an der Universität in Berlin. Aufgenommen

den 25. November 1873. Mitglied des Vorstandes der Fachsektion für Chemie seit 19. Juli 1875. Am 7. Mai 1892 zu Bozen: Herr Dr. Josef Karl Andreas Oellacher, Professor der Histologie und Embryologie

an der medicinischen Facultät der Universität in Innsbruck. Aufgenommen den 2. August 1886. Beiträge zur Kasse der Akademie. Knik pf

Mai 10. 1892. Von Hrn. Professor Dr. Fittica in Marburg Jahresbeitrag für 1892 6 —

„16. „ „ „ Professor Dr. Schiff in Genf Eintrittsgeld und Ablösung der Jahresbeiträge 90 —

., 18. „ „ Oberlehrer Engelhardt in Dresden Jahresbeitrag für 1892 6 —

„ „ „ „ Prof. Dr. Chun in Breslau Jahresbeiträge für 1881, 1882, 1883, 1884, 1885 30 —

„ „ Von Demselben Ablösung der Jahresbeiträge 60 —

„ 27. „ Von Hrn. Professor Dr. Schubert in Hamburg Jahresbeiträge für 1890 und 1891 . 12 —

:, 30. „ „ „ Dr. Deckert in Waynesville Jahresbeiträge für 1891 und 1892 ... 12 —

— Dr. H. Knoblauch.

Dr. Ferdinand v. Krauss.*)

Geboren ist Krauss am 9. Juli 1812 als Sohn des Gerbermeisters Krauss in Stuttgart. Eine vortreffliche Mutter, die zeitlebens hochgehalten und kindlich verehrt wurde, leitete mit verständigem Ernst und treuer Liebe seine Erziehung. Von 1834 — 37 studirte Krauss in Tübingen und Heidelberg die Naturwissenschaften und Medicin, war Assistent am chemischen Laboratorium und doctorirte im August 1836. Der Mineralog Blum, der Zoolog Bronn und der Chemiker Leopold Gmelin waren es, denen Krauss eine besondere Anhänglichkeit zollte. Diese Lehrer waren es denn auch, welche die Richtung seiner Studien bestimmten. Vom hervorragendsten Einfluss auf die Gestaltung seines Lebens war im Jahre 1837 der Besuch des Barons von Ludwig in Stuttgart, als derselbe seine grossartige Naturaliensammlung dem König Wilhelm zum Geschenk gemacht hatte. Es konnte kaum fehlen, dass der Anblick der afrikanischen Schätze, bei deren Auspacken der junge Doctor behilflich war, einen tiefen Eindruck auf Krauss machte und das Verlangen in ihm weckte, mit eigenen Augen das Wunderland Afrika zu sehen und durch eigenes Sammeln die Lücken der Ludwig'schen Sendung zu ergänzen. So reiste er denn im November 1837 von Stuttgart ab. In London war wegen des früher als sonst eingetretenen kalten Winters ein unfreiwilliger Aufenthalt, den Krauss mit allem Eifer zum Studium des britischen Museums und anderer wissenschaftlicher Institute benützte. Erst am 17. Februar 1838 konnte die Reise beginnen, und nach achtzigtägiger Reise kam Krauss mit Baron Ludwig in der Tafelbai an. Ein halbes Jahr brachte er im Hanse des Barons Ludwig, mit welchem ihn bald ein Band warmer Freundschaft verband, in der Kapstadt zu, um die Umgebung der Stadt und die Meeresküste bis zum eigentlichen Kap der guten Hoffnung zu studiren und den Tafelberg mehrmals zu besteigen. Rasch ging der afrikanische Winter vorbei, und mit dem Frühling, d. h. im November, trat Krauss seine denkwürdig gewordene Reise nach dem Innern an. Hottentots Kraal, Gnadenthat, Kokmanns Kloof u. s. w. wurde besucht, und am Christfest 1838 stand Krauss auf der südlichsten Spitze Afrikas, dem gefürchteten Kap Lagulhas. Wie er von hier aus die herrlichen Urwälder Outnigras besuchte, die Karroos durchquerte und von dem Congelalager aus (in der Nähe des heutigen Durban) sich der Commission anschloss, welche der Volkraad an den Kaffernkönig Umpanda abschickte, um mit ihm Frieden zu schliessen und ihn als König der Zulukafl'eru einzusetzen, ist von Krauss ausführlich in dem Jahresberichte des Württembergischen Vereins für Handelsgeographie, Stuttgart 1890, p. 127, beschrieben. Krauss blieb bis zum Februar 1840 in seinem geliebten Natallande, über dessen Weinbau er als echtes Stuttgarter Kind seine Beobachtungen machte, die er der sechsten Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe (1842) mittheilte. Von der Kapstadt reiste Krauss über London und Leiden in die Heiinath zurück.

Am 2. September fand Krauss erstmals seine definitive Anstellung am königlichen Natui'aliencabinet zunächst in untergeordneter Stellung, als Unteraufseher, bald aber machte sich das angeborene organisatorische Talent geltend, dem es vorbehalten war, in den zwei Stockwerken des königlichen Naturaliencabinets die vorhandenen Sammlungen in Ordnung zu bringen und denselben seine in Afrika gesammelten Schätze einzuverleiben. So begann er denn selbständig die Sammlung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft aufzustellen. Es geschah dies noch in Abhängigkeit von dem damaligen Vorstand, Obermedicinalrath Dr. v. Jäger, der mit den ausländischen Museen Europas in lebhafter Verbindung stand und den Verkehr mit, denselben in glücklicher Weise unterhielt. Die eigentliche Umgestaltung der Sammlungen geschah übrigens erst nach dem Neubau des Flügels in der Archivstrasse 1863. Bis zu diesem Jahre war man genöthigt, mit dem Bau an der Neckarstrasse sich zu behelfen. Die Räume des Parterres im Hauptgebäude, worin sich das königliche Haus- und Staatsarchiv befindet, für die Sammlungen zu gewinnen, konnte zum grossen Leidwesen der beiden Conservatoren nicht realisirt werden. Nach Vollendung der Aufstellung der Sammlungen erhielt Krauss in Anerkennung seiner langjährigen erspriesslichen Dienste 1866 Titel und Rang eines Oberstudienraths, den Friedrichsorden und 1880 den Kronenorden. Anlässlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums wurde ihm am 2. September 1890 Titel und Rang eines Directors verliehen.

Das Lieblingskind von Krauss war übrigens nicht sowohl die allgemeine zoologische Sammlung, als vielmehr die vaterländische Sammlung des Vereins für vaterländische Naturkunde, der von ihm selbst mitgegründet (1844) und von hier ab unter seiner Vorstandschaft wesentlich gefördert worden war. Namentlich verdankt auch die Vereinsbibliothek seinen rastlosen Bemühungen im Anknüpfen von neuen Tauschverbindungen ihre Reichhaltigkeit an den verschiedensten in- und ausländischen Vereinsschriften. Die Aufstellung der Vereinssammlungen wurde vorherrschend eine biologische. Nach unseren langjährigen Erfahrungen, die wir täglich zu machen Gelegenheit haben, bildet diese Art der Aufstellung den stärksten Anziehungspunkt, namentlich für die Jugend und ihre Lehrer, stärker als eine systematische Aufstellung der Geschlechter und Arten. Der Anblick eines Nebeneinander verschiedener Individuen, z. B. von Vögeln, ermüdet schliesslich, während eine Gruppe Vögel von einer Art in verschiedenen Alterszuständen, vom Nest an vertreten, stets neues Interesse bietet. Darauf hin arbeitete denn auch Krauss in voller Harmonie mit seinem Collegen, der von Anfang an seine paläontologischen Sammlungen nicht etwa zoologisch, sondern geologisch aufgestellt hatte. Im Princip ist die biologische Aufstellung einer zoologischen Sammlung und die geognostische Aufstellung einer paläontologischen Sammlung ein und dasselbe System. So arbeiteten denn beide Conservatoren einmüthig an dem einen Ziel: die vaterländische Naturwissenschaft populär zu machen. Kann man doch mit einer Art von Befriedigung auf den lebhaften Besuch unserer Sammlungen hinweisen. Waren der Besucher von 1865 kaum 30 000, so beziffert sich die Zahl der jährlichen Besucher nach der letzten Zählung auf 71175. Krauss war stets darauf bedacht, die Sammlungen in der liberalsten Weise allgemein zugänglich zu machen. Die zoologische Sammlung ist in ihrer seltenen Reichhaltigkeit und vollendeten Aufstellung der schönsten Exemplare seine eigenste Schöpfung, und mit nicht« haben ihm die Seinen beim fünfzigjährigen Jubelfeste grössere Freude gemacht, als mit dem photographischen Album der wichtigsten Sammlungsstücke des königlichen Naturaliencabinets, von denen jedes einzelne Stück beredtes Zeugniss ablegt über die fünfzigjährige Arbeit seines Vorstandes, der mit der zoologischen Sammlung so zu sagen verwachsen war. Gross ist die Zahl gelehrter Vereine und Gesellschaften, deren Mitglied Krauss war*) und deren Congresse er fast regelmässig besuchte. So wurde er eine im In- wie im Auslande bekannte hochgeschätzte Persönlichkeit.

Vor Jahren schon hatte eich Krauss seine letzte Ruhestätte neben dem Grabe der geliebten Mutter auf dem Franzelsbachfriedhof ausersehen. Am Mittag des 17. September 1890 umstanden dort Freunde und nahe Angehörige ein offenes Grab. Ausdrücklich hatte sich Krauss jedes Gepränge bei der Beerdigung verbeten, aber ohne Gepränge sollte es doch nicht abgehen, denn der 3 m hohe von ihm selbst gepflanzte Epheustock des Nachbargrabes prangte in voller Blüthe und hunderttausend goldglänzender Schwebfliegen gaukelten um den Stock, als ob sie über dem Sarge noch Zeugniss ablegen wollten von der intimen Beziehung des Todten zu der ewig jungen Natur. 0. F.

Verzeichniss der hauptsächlichsten Publicationen des f Dr. F. v. Krauss.

1. Die Corallinen und Zoophyten der Südsee. Stuttgart 1837. 4°.

2. Die südafrikanischen Crustaceen. Stuttgart 1843. 4°.

3. Ueber die Beutelfledermaus aus Surinam. (Arch. f. Naturg. 12. Jg. 1846.)

4. Die südafrikanischen Mollusken. Stuttgart 1848.

5. Eine neue Castalia. (Zeitschr. f. Malakozool. 5. Jg. 1848, p. 99.)

6. Die Säugethiere nach Familien und Gattungen mit einem Anhang über Zahn- und Knochenbau.

Stuttgart 1848-51. 4°.

7. Ueber einige Petrefacten aus der unteren Kreide des Kaplandes. (Nova Acta Leop.-Carol. T. XXII. 1850.)

8. Neue Kapsche Mollusken. (Arch. f. Naturg. 18. Jg. 1852. Bd. 1.)

9. Zur Osteologie der Surinamischen Manatas. (Müllers Arch. f. Anat. 1858.) 10. Der Schädel des Halitherium Schinzi. (Neues Jahrb. f. Min. etc. 1862.)

Ausserdem viele kleinere Mittheilungen in den Jahresheften des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg.

*) Mitglied der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher war Krauss seit dem 16. October 1847 mit dem Beinamen Sparrmann I.; deren Adjunkt wurde er am 19. August 1875.

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