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Königin Marien-Schachte an bis zu dem Ottiliae

Schreier, Müller, Koch, Weiss, Fuchs, Schachte fortgeschafft. Die im Folgenden erwähnten,

Kriegener und Grosscort, an der Tiefen Wasserstrecke liegenden Punkte sind um wegen der Beobachtungen vernommen zu werden, der Reihe nach: Königin Maria-Schacht, Elisa- welche dieselben am Morgen des 20. Juli auf der beth-Schacht'), Alte Margarethe, Herzog Georg tiefen, schiffbaren Wasserstrecke gemacht Wilhelm - Schacht, Königin Charlotter- haben wollten während desjenigen Gewitters, welches Schacht, Ottiliae-Schacht.

das oben erwähnte Müllersche Haus beschädigte. Schon in früheren Jahren wollten die Schiffer Ferner war auf Veranlassung des Obersteigers bei oberirdischen Gewittern, die sich über der Tiefen Kunst erschienen und wurde vernommen C. Weigert I., Wasserstrecke entluden, elektrische Schläge beim welcher während des Ereignisses sich ebenfalls auf Anfassen des genannten Seiles empfangen haben. der tiefen Wasserstrecke, nahe dem Elisabeth

Verfasser hielt es deshalb für angezeigt, die Schachte 2) befand und nach seiner Aussage ganz Schiffer, welche zur Zeit der oben geschilderten besonders durch den Blitzschlag gelitten haben wollte. Gewitterentladungen auf der Tiefen Wasserstrecke Von den erwähnten Bergleuten wurden Schreier, beschäftigt gewesen waren, amtlich zu vernehmen. Müller und Weigert I., und zwar ein Jeder

Das Ergebniss dieser durch das hiesige Oberbergamt ohne Beisein des Anderen, eingehend vernommen in jeder Weise begünstigten Vernehmung lässt sich am und nach der Vernehmung von den noch besten durch den Wortlaut der am vierten Tage nach nicht vernommenen Kameraden ferngehalten. dem Blitzschlage aufgenommenen Protocolle darthun: Kriegener hatte mir schon am 22. Juli seine Protocoll.

Erlebnisse mit lebhaften Worten geschildert. : „Geschehen im Sitzungszimmer des Berginspections

Weiss, Fuchs und Grosscort wurden sumgebäudes zu Clausthal, den 24. Juli 1881.

marisch befragt. Ihre Antworten lieferten im WesentGegenwärtig waren:

lichen nicht viel Neues. Herr Beryinspector Lenz,

Die in folgender Tabelle angeführten 45 Fragen Obersteiger Kunst,

wurden einem jeden der einzeln vernommenen BergUntersteiger Eisfelder

leute vorgelegt, um aus etwa gleichen Sinn gebenden und ich (0. Hoppe).

Antworten eine möglichst grosse Annäherung an den Vorgeladen und erschienen waren die Bergleute wahren Thatbestand herzuleiten. Die Aeusserungen (Schiffer):

der Bergleute sind thunlichst wörtlich wiedergegeben.

Fragen.

Die zu Protocoll genommenen Aeusserungen der Bergleute:
Schreier

Hermann Müller i Weigert 1.)

1) Ist schon sonst vom Ge-Auf der Wasserstrecke war an Es hat schon geblitzt, als die Das Gewitter war noch nicht

witter und dessen Wir dem Gewittertage noch nicht 7 Schiffer im Gaipel waren, im Gange, als Weigert 1. kungen auf der tiefen vom Gewitter gesprochen. In um anzufahren.

im Gaipel war. W. hat nur Wasserstrecke oder sonst der Grube ist schon oft von

Wetterleuchten gesehen. in den Gruben in Ihrem den Wirkungen der Gewitter, Beisein die Rede ge besonders auf der tiefen wesen?

Wasserstrecke, gesprochen.
2) Hatte einer der Schiffer Beim „Reinfahren“ wurde da-

die Vermuthung, dass im von gesprochen, dass ein Ge-
Laufe des Tages ein Ge witter kommen würde. Koch
witter kommen werde? sagte um 1 Uhr auf der

Hängebank des Herzog Georg
Wilhelm: wir kriegen ein

Gewitter.
3) Um welche Zeit wurden 237 Minuten Morgens.

228 Minuten Morgens. die ersten Schläge ver

spürt? 4) An welcher Stelle befanden Zwischen Herzog Georg Wil- Beim Charlotter Querschlage. 2 Schiffslängen von der Marie sich um diese Zeit die helm und Charlotte (Char- |

weg. Die Kameraden hatten Schiffer? lotter Gewölbe).

noch nichts gespürt.

. Charlotter one

1) Der Elisabeth-Schacht ist am 10. Juli 1885 verstürzt.
:) Horizontal gemessen liegt der Elisabeth-Schacht etwa 2000 m von dem Müllerschen Hause entfernt.

5) Dass Weigert I. in einer anderen Abtheilung Schiffer und näher dem Marien-Schachte sich befand, als Schreier und Müller, erklärt seine abweichenden Antworten. (Siehe auch Seite 99.)

Fragen.

Die zu Protocoll genommenen Aeusserungen der Bergleute:
Schreier
Hermann Müller

Weigert I.

245.

5) Wie weit waren dieselben Etwa 10 m auseinander. Eine Schiffslänge.

Eine Schiffslänge. etwa von einander ent

fernt? 6) Wann erfolgte der hef. 245.

tigste Schlag? 7) Wo waren die Schiffer Unter dem Charlotter Quer- 6 Minuten von dem Charlotter Unter der Elisabeth. etwa um diese Zeit? schlage.

Querschlage entfernt (nach

ungefährer Schätzung). 8) Wer von den Schiffern hat | Schreier nicht.

M. auch nicht.

Als W. wieder zu Athem gleich nach der Uhr ge

kam, hat er nach der Uhr sehen?

gesehen. 9) War wegen des Ortes und ist nicht weiter davon ge- Haben sich nicht wegen Zeit | Nein.

wegen der Zeit Meinungs- sprochen, weil Zeit und Ort und Ort gestritten. verschiedenheit?

den Schiffern bekannt war. 10) In welchem Körpertheile im ganzen Körper „zu die In beiden Armen: „Der Blitz In der Brust und in den wurde der Schlag am hef- Füsse raus“.

ist zu der Hand rein- und an Knieen: „In der Wad ist tigsten vermerkt?

den Ellbogen wieder raus- | er (der Blitz) stecken gegegangen“.

blieben". 11) War die Folge des Schlages Lähmung.

Lähmung

W. ist zusammengezogen und mehr eine Lähmung oder

hat auf den Knieen geeine gewaltsame Zusam

legen. Die anderen weinmenziehung der Muskeln

ten und lachten. (Krampf) ? 12) Welches Gefühl wurde in

In den Fingern kein Gefühl, In den Händen nichts verden Fingern und in den

nur fühlte sich das Ruder-/ spürt. Händen vermerkt ?

seil über und über heiss an. 13) -- in den Armen? Eigenthümliche Wärme: Keins.

Vom Handgelenk ist der ,,Füsse dick und wie wenn

Schlag ausgegangen. 14) - in der Brust? das Bein eingeschlafen ist“. Keins.

Weigerts Brust ist jetzt noch

krank von dem starken

Zusammendrücken. 15) — in den Beinen?

Keins.

Besonders in den Knieen. 16) Wirkte der Schlag so be- Bewusstsein war weg. Arbeits- Bewusstsein verloren, „wie „Ja!“ wir schrien „Au“. täubend, dass auf einige unfähig.

wenn man gegen einen An-1 Mordskandal auf den WasZeit das Bewusstsein (Hö

deren heftig anläuft und sern. „Ein Schrei, was aus ren und Sehen) ver

einen festen Stoss bekömmt“. dem Hals raus wollte“. schwand ? 17) Welcher von den Schiffern Fuchs hat geweint.

Schreier schrie am längsten. Blümer soll noch stärker als hat voraussichtlich die

Die anderen haben nur einen W. I. gelitten haben. stärkste Wirkung erfahren?

kurzen Schrei ausgestossen. 18) Was that der Einzelne Alle schrieen laut auf. „Thrä- Keiner traute sich, ans Ruderkurz nach dem Schlage? nen standen Allen in den seil zu fassen. Müller hat Augen“.

gesagt: „Ich fass' nicht

wieder an“. 19) War irgend Einer im Kriegener sagt, als Schreier Keiner. Wir wussten, dass die

Zweifel wegen der Ursache beim ersten Schlage laut Schläge vom Gewitter her-
des Schlages ?

aufschrie: „mer sollte sich kamen.
ja fürchten, weshalb schreist

du denn so Jaut“.
20) Ist Jemand in Folge des Schreier nicht. Aber das Essen „Nur Schreck und Angst, bis

Schlages krank oder auch hat ihm nicht geschmeckt. man fragen kann, ob nichts nur unwohl geworden?

passirt ist“. 21) Wurde ein Blitz oder ein ,,Hellniss“ vor den Augen, aber Nichts gesehen.

Weigert und Frick wollen blitzartiges Aufleuchten nur einen Augenblick.

2 Funken am Ruderseil oder ein andauerndes

gesehen haben. Leuchten wahrgenommen? 22) Wo zeigte sich die Feuer- | Weiss Schreier nicht zu sagen.

Am Ruderseil. erscheinung? 23) Wurde irgend ein Geräusch

wahrgenommen ? 24) Wurde ein eigenthümlicher Nein.

Nein.

Nein. Geruch wahrgenommen?

Fragen.

Die zu Protocoll genommenen Aeusserungen der Bergleute:
Schreier i Hermann Müller

Weigert I.

25) Wurden Windstösse wahr-Windschübe stossweise vom Vor dem Schlage kamen Stösse. Sturm kam vom Wilhelm her, genommen und standen Ottiliae-Schachte her. (?)

also auch vom Ottiliaedieselben wohl mit den

Schachte.) verspürten Schlägen in irgend welchem Zusammen

hange? 26) Woher kamen die Stösse ?

Vom Ottiliae-Schachte her. 27) Wie lange wurde aus Gut 30 Minuten. Schreier will 30 Minuten.

5 bis 6 Minuten, Furcht vor einem aber- gesagt haben: „es sind jetzt maligen Schlage das Zug 3, Stunden her, nun wird es seil (Ruderseil) unberührt sich gelegt haben, wir wollen gelassen ?

'mal wieder zugreifen“. 28) Wurde bei der Berührung Nein.

mit den (Seiten-)Wänden der Strecke irgend eine

Wirkung verspürt? 29) Kamen die Schläge nur ,,Vom Seil in die Hände bis Vom Seile her. Von den Wän- Nur vom Seile her. Von den vom Ruderseile her? zu den Füssen raus“. Die den keine Spur wahrge- / Wänden nicht gemerkt.

Händ fielen vom Seil her- ' nommen. Wirkung nur vom W. I. hat schon seit 10
unter.
Seile.

Jahren vom Seile kom

mende Schläge verspürt. 30) Richtete sich wohl die 3 Schläge. Der erste ,,Mukerts“, Kann nicht gesagt werden.

Stärke der Empfindung wie wenn man sich an den Die beiden letzten: Gross-
nach der Stärke, mit wel - Ellenbogen stosst. Das Seil cort und Kriegener, haben
cher das Ruderseil um wurde nicht fest angefasst. nach dem Schlage fortwäh-
fasst wurde?

Dagegen an dem Charlotter rend gezogen, aber nichts
Gewölbe, wo die Schiffe ge weiter bemerkt.
wendet werden, wird am
stärksten ans Seil gefasst.
Hier war der Schlag am

stärksten.?) 31) Wann ist der letzte Schlag Der stärkste Schlag war der Der stärkste Schlag war der Nach dem harten Schlage ist verspürt oder eine Wir letzte. Kriegener soll das letzte.

keiner mehr verspürt, obkung wahrgenommen, wel - Seil berührt haben, während

gleich die Hände am Seil che auf Fortdauer des die anderen an den Wänden

gehalten wurden. Gewitters hätte schliessen entlang arbeiteten, soll aber lassen?

nach Schreiers Aussage kei

Frei von Theer.

sten verspürt haben. 32) Ist das Ruderseil (Draht- (Ist wohl nur noch Theer in 'Frei von Theer.

seil) stellenweise frei von den Litzen,

Théer oder überall dicht · mit Theer überzogen ? 33) Wurde das Seil in Folge Nein.

Nein. des Schlages vielleicht

kleberig?
34) Wurde das Seil zu Zeiten kann Schreier nicht sagen: Das Seil wurde heiss beim
wärmer?

darauf achtet man nicht, Schlage, dann wieder kälter.
wenn man betäubt ist.

Das Seil wurde nicht wär-
mer, aber es war recht
nass an der Stelle, wo die

Schläge kamen.
Nass. (Weigert war ober-

halb der Charlotte.)

35) War das Seil feucht oder Trocken, wo der Schlag ge- Trocken. (Schreier war unter
gar nass?

spürt wurde. Das Seil ist halb der Charlotte.)
über) der Charlotte feucht,
unter) der Charlotte

trocken.
36) Spuckt der Schiffer oft in Gespuckt wird nicht. Hände Nein.

die Hände, oder sind die sind trocken.
Hände während des Zie-
hens meistens trocken ?

1) Da sich Weigert unter der Elisabeth befand.
2) Das Charlotter Gewölbe liegt etwa unter dem Müllerschen Hause, welches der Blitz verheert hatte.
3) D. h. zwischen dem Königin Marien-Schachte und Königin Charlotten-Schachte.
-) D. h. zwischen dem Königin Charlotten-Schachte und dem Ottiliae-Schachte.

Frage n.

Die zu Protocoll genommenen Aeusserungen der Bergleute:
Schreier
I Hermann Müller

Weigert I.

430

37) Wie ist das Seil mit der Mittelst eiserner Nägel mit

Firste verbunden ? l der Firste.
38) Wie ist das Seil an seinem Am Nagel befestigt, welcher

Ende (nahe dem Ottiliae etwa 11 bis 12 m vom
Schachte) festgemacht? Ottiliae - Schachte entfernt

ist.
39) Steht ') dasselbe wohl mit Weiss Schreier nicht.

den Eisentheilen in Verbindung, welche im Ottiliae-Schachte von Tage

hereinlaufen? 40) Wann hörten die Schiffer | 4.80.

zum ersten Male, dass ein oberirdisches Gewitter

stattgefunden habe ? 41) Wo wurde ihnen zum Unten an der Abladestelle des Unten an der Abladestelle.

ersten Male vom Gewitter Ottiliae-Schachtes.

erzählt? 42) Von wem wurde die Vom Vorarbeiter Wilhelm Vom Vorarbeiter Wilhelm Nachricht gebracht ? Löwe.

Löwe.
43) War irgend ein Meinungs- Es wurde davon gesprochen, Löwe sagte, es hätte einge-

austausch darüber, dass dass der Schlag derselbe 1 schlagen, und es wäre ein
der heftigste unterirdisch | unbedingt sein musste, wel so fürchterlicher Schlag ge-
verspürte Schlag derselbe cher das Haus traf. Koch wesen, wie er ihn noch
hätte sein können, welcher sagte, als er den Schlag nicht gehört hätte.
das Müllersche Haus traf? bekam: ,,Dieser Schlag hat

eingeschlagen.“
44) Wann hatte der Bericht- Löwe war 3.30 von Tage

erstatter seine Grubenfahrt hereingefahren. angetreten ?

Die Aeusserungen auf diese || Fragen ohne Belang.

Die ausser diesen in knapper Form gestellten Fragen, bezw. gemachten Aeusserungen der Bergleute für nothwendig gehaltenen Nebenfragen und Erläuterungen sind nicht mit in obiges Protocoll aufgenommen.

Die Vernehmung der Bergleute hat, wie aus den obigen Protocollen in der Hauptsache hervorgeht, Folgendes ergeben:

Die Schiffer wollen schon früher bei oberirdischen Gewittern von dem eisernen Ruderseile der tiefen Wasserstrecke ausgehende Schläge verspürt haben. In Folge dessen sei wohl auch schon früher mehrfach von dem Einflusse des Gewitters, insbesondere auf jenes Ruderseil, die Rede gewesen.

Ueber das Gewitter am Morgen des 20. Juli 1881 sei während der Arbeit, also während des Ziehens der Boote, nicht eher geredet, als bis die Schläge erfolgten.

Dagegen hätten die Schiffer schon vom Gaipel aus. also vor der 1 Uhr Morgens angetretenen Einfahrt. Blitze ohne Donner“ (Wetterleuchten) wahr

genommen, und einige, unter anderen Weigert I., daraus geschlossen, dass das Wetter sich abkühle“ und kein Gewitter kommen würde. Andere, z. B. Koch, dagegen hätten geäussert, es würde ein Gewitter geben.

Als nun um 230 Morgens die etwa eine Schiffslänge (10 m) von einander entfernten Schiffer den ersten Schlag verspürten, hätten sie sich zwischen dem Herzog Georg Wilhelm 1) und der Königin Charlotte, bei dem sogenannten Charlotter Gewölbe *), und von vorn ab gerechnet in der Reihenfolge: Müller, Weiss, Koch, Fuchs, Schreier, Kriegener und Grosscort befunden.

Auch stimmten alle Vernommenen darin überein, dass der heftigste und an dem Tage überhaupt zuletzt verspürte Schlag um 245 erfolgte und dass sie (die Schiffer) in dem Augenblicke etwa „6 Minuten“ vom Charlotter Querschlage entfernt gewesen seien. Dass die Schiffer die Zeit auf Minuten genau angaben, kali nicht befremden, da dieselben, nach des Obersteigers

1) Verfasser hat sich durch eine spätere Besichtigung überzeugt, dass eine derartige Verbindung nicht vorhanden ist.

-) In dessen Schacht sie eingefahren waren.

2) Das Charlotter Gewölbe liegt etwa unter dem vom Blitze getroffenen Müllerschen Hause.

Kunst Aussage, zu einer genau bestimmten Zeit nicht nur an dem Entladeplatze (Ottiliae-Schachte) ankommen müssen, sondern auch an gewissen, ausgeweiteten Stellen der Strecke einzutreffen haben, damit ihnen hier die auf dem Rückwege begriffenen leeren Boote ausweichen können.

Der für das Müllersche Haus verhängnissvolle Blitzschlag ist, wie mit Sicherheit sich feststellen liess, zwischen 245 und 3 Uhr Morgens erfolgt. Wir sahen oben, dass die richtig gehende, einem Bergmanne in dem Müllerschen Hause gehörige Pendeluhr, nach welcher der Eigenthümer seine Anfahrzeit bestimmte, in Folge des Blitzschlages um 250 stehen geblieben war. Nach meiner Uhr war der Schlag unmittelbar nach 245 erfolgt.

Das Müllersche Haus soll (wie späterhin festgestellt wurde) etwa über derjenigen Stelle der tiefen Wasserstrecke liegen, an welcher die Schiffer den heftigsten Schlag empfunden haben wollen.

Der Hausbesitzer Müller und der Schiffer Müller sind (beiläufig gesagt) zwei verschiedene Personen.

Da der Besitzer der stehen gebliebenen Uhr in demselben Reviere (Burgstätter Revier) arbeitet als die Schiffer, so ist mit ziemlicher Sicherheit vorauszusetzen, dass die beiderseitigen Uhren nahezu auf gleiche Zeit eingestellt waren. Und wenn in der That oberirdische elektrische Ausgleichungen unterirdische Wirkungen veranlassen sollten 1), so musste der wahr haft grossartige Blitzschlag, welcher nicht allein den einen Schornstein zerstörte, mehrere Sparren zerfaserte und in noch anderer Weise seine Stärke bekundete, besonders seinen Einfluss auf die unter dem getroffenen Hause liegenden Theile des Erdkörpers geltend machen.

Eine Einwirkung eines Blitzschlages auf eine Tiefe von 365 m unter Tage, wie solche hier vorliegt, möchte allerdings einzig in ihrer Art dastehen.

Von alten Schiffern ist mir zu wiederholten Malen auf mein Nachforschen mit aller Bestimmtheit versichert, dass sie schon in ganz früher Zeit auf der tiefen Wasserstrecke „Blitzschläge“ wahrgenommen hätten, längst bevor der Ottiliae-Schacht und dessen Förderthurm vorhanden war. Ein Grund aber, weshalb solche alten Leute noch unnütze Lügereien in die Welt setzen wollten, ist durchaus nicht vorhanden.

Doch kehren wir zur Gegenwart zurück. Mit dem Schlage hätten sämmtliche Schiffer „furchtbar aufgeschrieen“. Die meisten hätten geweint und gejammert, einer (Kriegener), der den Schlag auch bekam, dagegen gelacht und spottend seinem Vordermanne (Schreier) zugerufen: „mer sollte sich ja

fürchten, weshalb schreist du denn su:“ Die Wirkung des Schlages auf den Körper war demnach nicht bei allen Schiffern dieselbe. Müller, auf dessen schlichte ruhige Aussage (auch nach Urtheil der Bergbeamten) Gewicht zu legen ist, hat besonders in den Armen den Schlag empfunden: „der Blitz ist in der Hand rein- und an den Ellbogen wieder rausgegangen!“ Dem Müller war es, „wie wenn man mit aller Gewalt gegen einen Anderen anläuft, und dabei einen starken Stoss bekommt“. Nach Rückkehr des Bewusstseins habe er zu seinen Kameraden gesagt: „Ich fass' jetzt net wieder an (das Seil), mer wollen einen Augenblick halten“.

Koch hat „ihn über und über im Körper gefühlt; er ist in die Hände rein-, durch die Arme nach der Brust und zu den Füssen wieder raus gegangen!“ Schreier äussert, dass es bei den beiden ersten Muckerts (Erschütterungen) ihm gewesen sei, als ob man sich an den Ellenbogen stosse; dagegen bei dem dritten starken Schlage habe er in den Füssen das Gefühl gehabt, wie wenn sie „eingeschlafen“ und „dick geworden“ seien“. Auch will Schreier in diesem Augenblicke eine „Hellniss“ gesehen haben; konnte aber die Stelle nicht angeben, von welcher das Aufleuchten ausging, weil er zu betäubt gewesen wäre und weil es ausserdem seine Gewohnheit sei, beim Rudern (Ziehen am Seile) nur auf sein Licht und auf die Wasser zu sehen, ohne sich um andere Gegenstände zu kümmern. Kriegener (der Hintermann Schreiers) will auch einen hellen Schein, so weit die tiefe Wasserstrecke sichtbar gewesen sei, gesehen haben. Da die anderen Schiffer, auch der vorderste (Müller), gar keine besonderen Lichterscheinungen bemerkt haben, so möchte die angebliche Wahrnehmung Schreiers und Kriegeners auf eine subjective Empfindung oder aber auch auf das plötzliche Aufflackern eines Grubenlichtes zurückzuführen sein.

Die Wahrnehmung aller Schiffer, dass während der Zeit, in welcher die Schläge erfolgten, heftige vom Ottiliae - Schachte heraufkommende Luftstösse empfunden wurden, lässt mit Bestimmtheit annehmen, dass ein Aufflackern der Grubenlichter eingetreten ist. Damit soll jedoch durchaus nicht die Möglichkeit eines mit dem Gewitter im Zusammenhange stehenden Lichtscheines ganz in Abrede gestellt werden.

Ein Zusammenhang zwischen den Luftstössen und den Schlägen (Blitzschlägen) ist keinem der Schiffer aufgefallen; nur so viel behauptet Müller (Frage 27), dass „vor dem Schlage Stösse kamen.“ – Schreier spricht hier von „Windschüben“, Weigert sogar vom „Sturm“. Allen schienen die Luftwellen vom OttiliaeSchachte, also demjenigen Schachte zu kommen, der unterhalb des Gewitters lag. Sollten diese Luftstösse auf

-) Siehe auch Anmerkung zu Seite 89.

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