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Fragen.

Die zu Protocoll genommenen Aeusserungen der Bergleute: Schreier Hermann Müller Weigert L

25) Wurden Windstösse wahrgenommen • und standen dieselben wohl mit den verspürten Schlägen in irgend welchem Zusammenhange?

26) Woher kamen die Stösse?

27) Wie lange wurde aus Furcht vor einem abermaligen Schlage das Zugseil (Ruderseil i unberührt gelassen?

28) Wurde bei der Berührung mit den (Seiten-)Wänden der Strecke irgend eine Wirkung verspürt?

29) Kamen die Schläge nur vom Ruderseile her?

30) Bichtete sich wohl die Starke der Empfindung nach der Stärke, mit welcher das Ruderseil umtust wurde?

31) Wann ist der letzte Schlag verspürt oder eine Wirkung wahrgenommen, welche auf Fortdauer des Gewitters hätte schliessen lassen?

32) Ist das Ruderseil (Drahtseil) stellenweise frei von Theer oder überall dicht

'mit Theer überzogen?

33) Wurde da» Seil in Folge des Schlages vielleicht kleberig?

34) Wurde das Seil zu Zeiten wärmer?

35) War das Seil feucht oder gar nass?

36) Spuckt der Schiffer oft in die Hände, oder sind die Hände während des Ziehens meistens trocken?

Windschübe stossweise vom Ottiliae-Schachte her. (?)

Gut 30 Minuten. Schreier will gesagt haben: „es sind .jetzt */t Stunden her, nun wird es sich gelegt haben, wir wollen 'mal wieder zugreifen".

Nein.

„Vom Seil in die Hände bis zu den Füssen raus". Die Händ fielen vom Seil herunter.

3 Schläge. Der erste „Mukerts", wie wenn man sich an den Ellenbogen stösst. Das Seil wurde nicht fest angefasst. Dagegen an dem Charlotter Gewölbe, wo die Schiffe gewendet werden, wird am stärksten ans Seil gefasst Hier war der Schlag am stärksten.2)

Der stärkste Schlag war der letzte. Kriegener soll das Seil berührt haben, während die anderen an den Wänden entlang arbeiteten, soll aber nach Schreiers Aussage keinen Schlag nach dem stärksten verspürt haben.

Ist wohl nur nocli Theer in den Litzen.

Nein.

Kann Schreier nicht sagen: darauf achtet man nicht, wenn man betäubt ist.

Trocken, wo der Schlag gespürt wurde. Das Seil ist über8) der Charlotte feucht, unter4) der Charlotte trocken.

Gespuckt wird nicht. Hände sind trocken.

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') Da sich Weigert unter der Elisabeth befand.

') Das Charlotter Gewölbe liegt etwa unter dem Müllerschen Hause, welches der Blitz verheert hatte.

*) D. h. zwischen dem Königin Marien-Schachte und Königin Charlotten-Schachte.

■*) D. h. zwischen dem Königin Charlotten-Schachte und dem Ottiliae-Schachte.

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Die ausser diesen in knapper Form gestellten Fragen, bezw. gemachten Aeusserungen der Bergleute für uothwendig gehaltenen Nebenfragen und Erläuterungen sind nicht mit in obiges Protocoll aufgenommen.

Die Vernehmung der Bergleute hat, wie aus den obigen Protocollen in der Hauptsache hervorgeht, Folgendes ergeben:

Die Schiffer wollen schon früher bei oberirdischen Gewittern von dem eisernen Ruderseile der tiefen Wassevstrecke ausgehende Schläge verspürt haben. In Folge dessen sei wohl auch schon früher mehrfach von dem Einflüsse des Gewitters, insbesondere auf jenes Ruderseil, die Rede gewesen.

Ueber das Gewitter am Morgen des 20. Juli 1881 sei während der Arbeit, also während des Ziehens der Boote, nicht eher geredet, als bis die Schläge erfolgten.

Dagegen hätten die Schiffer schon vom Gaipol aus, also vor der 1 Uhr Morgens angetretenen Einfahrt, „Blitze ohne Donner" (Wetterleuchten) wahr

genommen, und einige, unter anderen Weigert L, daraus geschlossen, „dass das Wetter sich abkühle* und kein Gewitter kommen würde. Andere, z. B. Koch, dagegen hätten geäussert, es würde ein Gewitter geben.

Als nun um 230 Morgens die etwa eine Schiffslänge (10 m) von einander entfernten Schiffer den ersten Schlag verspürten, hätten sie sich zwischen dem Herzog Georg Wilhelm 1) und der Königin Charlotte, bei dem sogenannten Charlotter Gewölbe '), und von vorn ab gerechnet in der Reihenfolge: Müller, Weiss, Koch, Fuchs, Schreier, Kriegener und Grosscort befunden.

Auch stimmten alle Vernommenen darin übereil), dass der heftigste und an dem Tage überhaupt zuletzt verspürte Schlag um 245 erfolgte und dass sie (die Schiffer) in dem Augenblicke etwa „6 Minuten" vom Charlotter Querschlage entfernt gewesen seien. Dass die Schiffer die Zeit auf Minuten genau angaben, kami nicht befremden, da dieselben, nach des Obersteigers Kunst Aussage, zu einer genau bestimmten Zeit nicht nur an dem Entladeplatze (Ottiliae-Schachte) ankommen müssen, sondern auch an gewissen, ausgeweiteten Stellen der Strecke einzutreffen haben, damit ihnen hier die auf dem Rückwege begriffenen leeren Boote ausweichen können.

Der für das Müllersche Haus verhängnissvollc Blitzschlag ist, wie mit Sicherheit sich feststellen liess, zwischen 246 und 3 Uhr Morgens erfolgt. Wir sahen oben, dass die richtig gehende, einem Burgmannc in dem Müllerschen Hause gehörige Pendeluhr, nach welcher der Eigenthümer seine Anfahrzeit bestimmte, in Folge des Blitzschlages um 26u stehen geblieben war. Nach meiner Uhr war der Schlag unmittelbar nach 244 erfolgt.

Das Müllersche Haus soll (wie späterhin festgestellt wurde) etwa über derjenigen Stelle der tiefon Wasserstrecke liegen, an welcher die Schiffer den heftigsten Schlag empfunden haben wollen.

Der Hausbesitzer Müller und der Schiffer Müller sind (beiläufig gesagt) zwei verschiedene Personen.

Da der Besitzer der stehen gebliebenen Uhr in demselben Beviere (Burgstätter Revier) arbeitet als die Schiffer, so ist mit ziemlicher Sicherheit vorauszusetzen, dass die beiderseitigen Uhren nahezu auf gleiche Zeit eingestellt waren. Und wenn in der That oberirdische elektrische Ausgleichungen unterirdische Wirkungen veranlassen sollton1), so musste der wahrhaft grossartige Blitzschlag, welcher nicht allein den einen Schornstein zorstörte, mehrere Sparren zerfaserte und in noch anderer Weise seine Stärke bekundete, besonders seinen Einfluss auf die unter dem getroffenen Hause liegenden Theile des Erdkörpers geltend machen.

Eine Einwirkung eines Blitzschlages auf eine Tiefe von 365 m unter Tage, wie solche hier vorliegt, möchte allerdings einzig in ihrer Art dastehen.

Von alten Schiffern ist mir zu wiederholten Malen auf mein Nachforschen mit aller Bestimmtheit versichert, dass sie schon in ganz früher Zeit auf der tiefen Wasserstrecke „Blitzschläge" wahrgenommen hätten, längst bevor der Ottiliae-Schacht und dessen Förderthurm vorhanden war. Ein Grund aber, weshalb solche alten Leute noch unnütze Lügereien in die Welt setzen wollten, ist durchaus nicht vorhanden.

Doch kehren wir zur Gegenwart zurück. Mit dem Schlage hätten sämmtliche Schiffer „furchtbar aufgeschrieen". Die meisten hätten geweint und gejammert, einer (Kriegener), der den Schlag auch bekam, dagegen gelacht und spottend seinem Vordermanne (Schreier) zugerufen: „mer sollte sich ja

') Siehe auch Anmerkung zu Seite 89.

fürchten, weshalb schreist du denn su?" Die Wirkung des Schlages auf den Körper war demnach nicht bei allen Schiffern dieselbe. Müller, auf dessen schlichte ruhige Aussage (auch nach Urtheil der Bergbeamten) Gewicht zu legen ist, hat besonders in den Armen den Schlag empfunden: „der Blitz ist in der Hand rein- und an den Ellbogen wieder rausgegangen!" Dem Müller war es, „wie wenn man mit aller Gewalt gegen einen Anderen anläuft, und dabei einen starken Stoss bekommt". Nach Rückkehr des Bewusstseins habe er zu seinen Kameraden gesagt: „ Ich fass' jetzt net wieder an (das Seil), mer wollen einen Augenblick halten".

Koch hat „ihn über und über im Körper gefühlt; er ist in die Hände rein-, durch die Arme nach der Brust und zu den Füssen wieder raus gegangen!" Schreier äussert, dass es „bei den beiden ersten Muckerts (Erschütterungen) ihm gewesen sei, als ob man sich an den Ellenbogen stosse; dagegen bei dem dritten starken Schlage habe er in den Füssen das Gefühl gehabt, wie wenn sie „eingeschlafen" und „dick geworden" seien". Auch will Schreier in diesem Augenblicke eine „Hellniss" gesehen haben; konnte aber die Stelle nicht angeben, von welcher das Aufleuchten ausging, weil er zu betäubt gewesen wäre und weil es ausserdem seine Gewohnheit sei, beim Rudern (Ziehen am Seile) nur auf sein Licht und auf die Wasser zu sehen, ohne sich um andere Gegenstände zu kümmern. Kriegener (der Hintermann Schreiers) will auch einen hellen Schein, so weit die tiefe Wasserstrecke sichtbar gewesen sei, gesehen haben. Da die anderen Schiffer, auch der vorderste (Müller), gar keine besonderen Lichterscheinungen bemerkt haben, so möchte die angebliche Wahrnehmung Schreiers und Kriegeliers auf eine subjective Empfindung oder aber auch auf das plötzliche Aufflackern eines Grubenlichtes zurückzuführen sein.

Die Wahrnehmung aller Schiffer, dass während der Zeit, in welcher die Schläge erfolgten, heftige vom Ottiliae-Schachte heraufkommende Luftstösse empfunden wurden, lässt mit Bestimmtheit annehmen, dass ein Aufflackern der Grubenlichter eingetreten ist. Damit soll jedoch durchaus nicht die Möglichkeit eines mit dem Gewitter im Zusammenhange stehenden Lichtscheines ganz in Abrede gestellt werden.

Ein Zusammenhang zwischen den Luftstössen und den Schlägen (Blitzschlägen) ist keinem der Schiffer aufgefallen; nur so viel behauptet Müller (Frage 27), dass „vor dem Schlage Stesse kamen." — Schreier spricht hier von „Windschüben", Weigert sogar vom „Sturm". Allen schienen die Luftwellen vom OttiliaeSchachte, also demjenigen Schachte zu kommen, der unterhalb des Gewitters lag. Sollten diese Luftstösse auf einon unterirdischen elektrischen Ausgleich (so zu sagen auf ein unterirdisches Gewitter) zurückzuführen sein?

Bei säninitlicheu Schiffern bestand darin Uebereinstimmung, dass ihnen „die Hände vom Seile heruntergeschlagen wären" und im Uebrigen die Wirkung mehr in einer plötzlichen Lähmung als in einer krampfartigen Zusammenziehung der Gliedor (Muskoln) bestanden habe. Auch soll bei Allen für Augenblicke das Bewusstsoin geschwunden sein, so dass die Betroffenen für die Zeit vollständig arbeitsunfähig gewesen sein wollen. Noch behaupten alle bei der Charlotte getroffenen Schiffor, dass das an dieser Stelle trockene Seil, welches von dem ursprünglichen Theerüberzuge üusserlich kaum noch Spuren aufweise, in Folge der „Schläge sich wärmer angefühlt habe"; kleberig sei es nicht geworden. Wie das Seil so seien auch die Hände trocken gewesen. Im Allgemeinen sei das Seil trocken von der Charlotte abwärts bis zum Ottiliae-Schachte, dagegen nass von der Charlotte bis aufwärts zum Königin Marien-Schachte.

Weigert I. war zur Zeit des Gewitters ebonfalls auf der tiefen Wasserstrecke, aber in einer anderon, nämlich derjenigen Abtheilung Schiffer, durch welche die Erze vom Marien-Schachte aus nach dem üttiliaeSchachte verschifft worden, und welche etwa eine Stunde später am zuletzt genannten Orte eintrifft. Nach Weigert« Aussage wollen seine Kameraden, sowie er Belbst, drei starke Schläge von dem Buderseile aus empfangen haben. Den ersten Morgens 2*1* (in einer Entfernung von zwei Sehiffslängen, also 20 m von der Ladestelle des Marien-Schachtes) und den heftigsten 245 (etwa unter dem Elisabeth-Schachte). „Sic hätten geschrieen, dass ein Mordskandal auf den Wassern gewesen wäre und hätten alle mit einem Male in ihren Booten gelegen".

Weigert „will den Schlag besonders in der Brust und in den Kuioen verspürt haben und behauptet, „er wäre in der Wad (Wade) stecken geblieben, so dass er noch gestern Abend (drei Tage nach dem Schlage) Zuckungen gehabt habe". In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli wäre erst wieder etwas Leben in die Beine gekehrt, sonst fühle er sich noch immer sehr matt".

Sollte die Aussage Weigerte auf Wahrheit beruhen, so könnte man die starke Wirkung auf die Abtheilung, in der sich Weigert befand, dem Umstände zuschreiben, dass die Abtheilung an dem nassen Seile zog. Weigert will schon seit zehn Jahren vom Buderseile ausgehende Schläge bei oberirdischen Gewittern wahrgenommen haben, aber niemals einen

Es sei auch erwähnt, dass die Schiffer nach den Schlägeu sich etwa 30 Minuten lang nicht mittelst des Buderseile», sondern an den Wänden der tiefen Wasserstrecke fortgearbeitet haben wollen. Hierbei hat keiner einen Schlag bekommen. Kriegener will übrigens beständig, also auch während dieser 30 Minuten, das Seil benutzt und keinen Schlag weiter wahrgenommen haben.

Als die Schiffer Morgens nach 4 Uhr an der Abladestelle (im Gesenk des Ottiliae-Schachtes) ankamen, erfuhren sie durch den Vorarbeiter W. Lowe, welcher um 330 im Ottiliae-Schachte eingefahren war, von den oberirdischen Gewittern und dessen verheerenden Wirkungen auf das Müllersche Wohnhaus. Diese Nachricht habe sämmtliche Schiffer überzeugt, dass der heftige Schlag, welchen sie auf der tiefen Wasserstrecke bekommen hätten, und der Blitzscldag. welcher das Müllersche Haus traf, „unbedingt" ein und derselbo gewesen sein müsse.

Sollte auch bei den Antworten und Schilderungen der Bergleute hier und da die Einbildung vorgeherrscht haben, so legten die Vernehmungen im Ganzen den Schluss nahe, dass das heftige Gewitter am Morgen des 20. Juli 1881 auch unterirdische Wirkungen hervorgebracht haben müsse. Darüber aber, ob der Blitzstrahl unmittelbar, sei es vom Müllerschen Hause oder vom Ottiliae-Schachto, oder auf irgend einem auderen Wege das Buderseil orreicht habe, oder ob mittelbar, vielleicht durch sogenannte Influenz, elektrische Spannungen hervorgerufen sind, die zum plötzlichen Ausgleich kamen, wage ich auch heute noch nicht, mich bestimmt auszusprechen. Doch neige ich nach der oben (Seite 89. Anmerkung 1) geschilderten Beobachtung mehr Im letzter Ansicht hin.

NaturwissenschaftlicheWanderversammlung.

Die Societe frangaise de dermatologie et de syphiligraphie wird ihre diesjährige Jahresversammlung vom 2.—4. August in Lyon abhalten. Die Sitzungen finden in der Salle de l'Antiquite statt. Als hauptsächlichste Fragen sollen besprochen werden: Die Behandlung der Syphilis mit subcutanen Quecksilberinjectionen. Die Trichophytik der Menschen. Die Eegelung der Prostitution.

Der Katalog der Bibliothek der Kaiserlichen Leopoldinisch Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher, Lief. 5, Halle 1894, 8»,

ist erschienen und durch die Buchhandlung von

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